{"id":129,"date":"2008-05-29T12:58:54","date_gmt":"2008-05-29T10:58:54","guid":{"rendered":"http:\/\/hackfemeast.org\/web\/?p=129"},"modified":"2021-01-14T19:32:26","modified_gmt":"2021-01-14T17:32:26","slug":"old-girls-networks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hackfemeast.org\/web\/?p=129","title":{"rendered":"Old Girls Networks"},"content":{"rendered":"<p id=\"top\" \/>\n<h4>\u2013 elektronische Mailinglisten und Frauennetzwerke<\/h4>\n<p>by <a href=\"http:\/\/hackfemeast.org\/web\/?page_id=11\"><strong>Valie Djordjevic<\/strong><\/a><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/hackfemeast.org\/web\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/rossa-440.jpg\" alt=\"rossa-440.jpg\" \/><\/p>\n<p><strong>Schon vor dem Web 2.0<\/strong> gab es virtuelle Gemeinschaften, manche davon schon ziemlich lange. Seit Mitte der 90er Jahre vernetzen sich K\u00fcnstlerinnen und Medienarbeiterinnen \u00fcber Mailinglisten. Obwohl diese nichts weiter sind als ein ziemlich simples St\u00fcck Software, das elektronische Nachrichten an eine Gruppe von Leuten weiterschickt, k\u00f6nnen die Teilnehmer, die manchmal \u00fcber den ganzen Globus verteilt sind, Netzwerke formen, die \u00fcber die virtuelle Welt hinaus Bestand haben.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr eine internationale Medienkunst<\/strong>&#8211; und Kulturszene spielten sie in den neunziger Jahren, als das Internet von einem akademischen Netzwerk zu einem Massenmedium wurde, eine gro\u00dfe Rolle. Die Mailingliste Nettime etwa ist so etwas wie der Elder Statesman unter den Listen, die sich um die europ\u00e4ische Netzkultur k\u00fcmmern. Theoretiker, K\u00fcnstler, Programmierer und Schriftsteller aus aller Welt betreiben dort seit Mitte der neunziger Jahre \u201eNetzkritik\u201c. Andere Listen besch\u00e4ftigen sich mit Medienkunst in Osteuropa, diskutieren k\u00fcnstlerische Computerprogramme oder die Einordnung von Medienkunst in die Kunstgeschichte.<\/p>\n<p><strong>So wichtig und n\u00fctzlich<\/strong> diese Listen waren und auch noch sind, die meisten haben ein Problem: Die Frauen fehlen. Nicht dass sie in der Medienkunstszene nicht vorhanden w\u00e4ren. Man sieht sie bei Festivals im Publikum sitzen, auf Ausstellungen Videoinstallationen betrachten, aber sie melden sich nicht zu Wort, auch wenn sie die Listen abonniert haben. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig: keine Zeit, weil Beruf und Familie unter einen Hut gebracht werden m\u00fcssen; kein Interesse an einem m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Diskurs, bei dem es auch darum geht, seinen intellektuellen Status zu beweisen; der Glaube, nichts beizutragen zu haben. Weshalb das so ist, dar\u00fcber kann man spekulieren und wissenschaftliche Untersuchungen schreiben; f\u00fcr viele Medienk\u00fcnstlerinnen ging es darum m\u00f6glichst pragmatisch eine Plattform zu finden, auf der sie sich austauschen konnten und erfahren, was andere Frauen in dem Bereich taten.<\/p>\n<p><strong>1996 starteten daher Kathy Rae Huffman<\/strong>, eine US-amerikanische Kuratorin, die in Wien lebte, und die K\u00fcnstlerin Eva Wohlgemuth ihr Projekt \u201eFace settings\u201c, bei dem sie in verschiedenen europ\u00e4ischen St\u00e4dten K\u00fcnstlerinnen, Autorinnen und Technikerinnen zum Abendessen einluden, um der Isolierung von Frauen in der Szene etwas entgegen zu setzten. Erinnernd an Judy Chicagos \u201eDinner Party\u201c-Installation wurde am Tisch f\u00fcr alle Teilnehmenden ein Gedeck vorbereitet \u2013 ein \u201eplace setting\u201c \u2013 um der virtuellen Bekanntschaft \u00fcber das Internet eine pers\u00f6nliche hinzuzuf\u00fcgen. \u201eFace setting\u201c-Dinner gab es in Rotterdam, St. Petersburg, Bilbao, Glasgow, Budapest, Linz und noch einigen Orten mehr. Beim Cyber-Co-Cooking-Event in Bielefeld wurde \u00fcber eine IRC-Chat-Verbindung gemeinsam mit der K\u00fcnstlerin Zana Poljakov in Belgrad gekocht.<\/p>\n<p><strong>Aus den Gespr\u00e4chen bei diesen Treffen<\/strong> und weiteren auf Festival, Ausstellungen und Events wurde schlie\u00dflich im April 1997 die Mailingliste Faces von Kathy Rae Huffman, Diana McCarty und Eva Wohlgemuth ins Leben gerufen. Die Verbindungen und Beziehungen, die sich in den Treffen ergeben hatten, sollten gefestigt und erweitert werden. Auf der Suche nach einer technischen Betreuerin entstand auch ein Ableger in Berlin, als die Autorin dieser Zeilen, die damals im Kulturprojekt Internationale Stadt mitarbeitete, von den Initiatorinnen angesprochen wurde, ob sie nicht mitmachen wollte.<\/p>\n<p><strong>Faces wurde ein Erfolg<\/strong> \u2013 soviel kann man im R\u00fcckblick sagen. Freundschaften haben sich gebildet, Projekte wurden angesto\u00dfen und organisiert (darunter auch die erste Cyberfeministische Internationale von der Gruppe \u201eOld Boys Network), weitere Abendessen, Open Mike Pr\u00e4sentationen auf Festivals, Online-Diskussionen \u00fcber den 11. September, den Krieg in Jugoslawien, feministische Ausstellungspraxis fanden statt.<\/p>\n<p><strong>In den elf Jahren<\/strong> des Bestehens der Liste hat sich einiges getan \u2013 aber vieles ist auch gleich geblieben. Vor allem die technische Seite ist immer noch stark von M\u00e4nnern dominiert \u2013 man gehe nur einmal Ende Dezember beim Chaos Computer Congress \u2013 vorbei: Zwischen Hunderten von Geeks und Nerds findet sich eine Handvoll Frauen, die gleich einem Gallischen Dorf der \u00dcbermacht trotzen und jedes Jahr wieder ein H\u00e4cksen-Center einrichten. Aber auch auf den Kunstfestivals sind es \u00fcberwiegend m\u00e4nnliche K\u00fcnstler, die gezeigt werden, und auf den Podien sitzen haupts\u00e4chlich m\u00e4nnliche Experten. Es scheint, dass es einen neuen Anlauf geben muss, Frauen in die \u00d6ffentlichkeit zu bringen \u2013 ob mit Mailinglisten, Web-Communities oder in guter alter Agitprop-Manier. Die Werkzeuge stehen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Die Autorin betreut seit 1997 zusammen mit Kathy Rae Huffman, Diana McCarty und Ushi Reiter die Mailingliste <a href=\"http:\/\/www.faces-l.net\">Faces<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2013 elektronische Mailinglisten und Frauennetzwerke by Valie Djordjevic Schon vor dem Web 2.0 gab es virtuelle Gemeinschaften, manche davon schon ziemlich lange. Seit Mitte der 90er Jahre vernetzen sich K\u00fcnstlerinnen und Medienarbeiterinnen \u00fcber Mailinglisten. 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